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Aal angeln: Methoden, Köder und die richtige Ausrüstung

Aal angeln: Methoden, Köder und die richtige Ausrüstung

Der Aal ist unter Anglern eine faszinierende Erscheinung – nachtaktiv, zäh, schleimig und von einer fast mystischen Biologie umgeben. Kaum ein Süßwasserfisch polarisiert so sehr: Die einen finden ihn unheimlich, die anderen sind dem Aalangeln verfallen und verbringen ganze Sommernächte am Wasser, die Rute auf den Boden gerichtet und die Ohren gespitzt auf das Schrillen des Bissanzeigers. Wer einmal einen kapitalen Aal an der Leine gehabt hat, versteht die Begeisterung sofort.

Der Europäische Aal – kurz zur Biologie

Der Europäische Aal (Anguilla anguilla) ist eine der biologisch seltsamsten Fischarten überhaupt. Er wächst jahrzehntelang in Flüssen, Seen und Bächen auf – um dann als sogenannter Blankaal ins Meer zu wandern und im fernen Sargassomeer zu laichen. Kein einziges laichendes Tier wurde dort je von Wissenschaftlern beobachtet. Die Larven treiben über den Golfstrom zurück nach Europa, verwandeln sich in Glasaale und besiedeln unsere Gewässer.

Diese einzigartige Biologie macht ihn auch so empfindlich für menschliche Eingriffe: Verbauungen, Turbinen von Wasserkraftanlagen, Parasiten und Überfischung haben die Bestände dramatisch einbrechen lassen. Der WWF stuft ihn in seinem Fischratgeber als stark gefährdet ein, die IUCN führt ihn als „Critically Endangered". All das sollte jeden Aalangler zum bewussten Umgang mit diesem Fisch bewegen – dazu später mehr.

Wann und wo Aale angeln?

Aale sind ausgeprägte Dämmerungs- und Nachtjäger. Die besten Fangzeiten liegen zwischen Mai und September, wobei warme, bewölkte Nächte ohne Mondlicht die Aktivität deutlich steigern. Ab etwa 20 Uhr beginnt die eigentliche Beiß-Phase, die bis weit nach Mitternacht anhalten kann.

Als Angelgewässer kommen nahezu alle stehenden und langsam fließenden Gewässer in Frage:

  • Seen und Teiche mit schlammigem Grund und Totholz
  • Flüsse mit ruhigen Buchten und Eintiefungen
  • Kanäle, besonders in der Nähe von Einleitungen und Schilfgürteln
  • Hafen- und Brückenbereiche – Aale lieben Strukturen und Verstecke

Tagsüber verstecken sich Aale unter Steinen, in Spalten oder im Schlamm. Das Angeln lohnt sich kaum – außer nach langen Regenperioden, wenn das Wasser trüb ist.

Methoden beim Aalangeln

Grundangeln – der Klassiker

Das Grundangeln ist die mit Abstand gängigste Methode und für Einsteiger ideal. Der Köder liegt am Gewässergrund, genau dort, wo Aale auf Nahrungssuche gehen. Man fischt mit einer stabilen Rute von 2,50 bis 3,50 m Länge, einer zuverlässigen Freilaufrolle und Monofile in der Stärke 0,30 bis 0,35 mm. Der Biss wird mit einem elektronischen Bissanzeiger oder einer Fahnenpeitsche signalisiert – beides hat sich bewährt.

Die Aalschnur Montage im Detail

Das Herzstück jeder Grundmontage auf Aal ist die Laufbleimontage, auch Aalschnur Montage genannt. Sie funktioniert so:

  1. Ein Laufblei (20–60 g, je nach Strömung und Wurfweite) wird auf die Hauptschnur gefädelt
  2. Dahinter kommt eine Perlstopper-Perle, die das Blei vom Wirbel trennt und als Dämpfer dient
  3. Ein robuster Angelwirbel schließt das Blei ab und verhindert Linienverdrehungen
  4. Am Wirbel wird ein etwa 60–100 cm langer Vorfach (0,28–0,35 mm Mono) befestigt
  5. Am Ende sitzt ein Langstielhaken der Größe 4 bis 1/0 – je nach Köder und erwartetem Fisch

Der entscheidende Vorteil der Laufbleimontage: Der Aal kann die Leine beim Abzug frei ziehen, ohne sofort den Widerstand des Bleis zu spüren. Dafür unbedingt mit geöffnetem Bail oder auf Freilauf fischen und erst nach einem deutlichen Abzug einhaken.

Eine Variante ist die gebundene Aalschnur, bei der Vorfach und Haken werkseitig auf einen Draht oder steifen Nylonträger aufgebracht sind. Diese Systeme – von Herstellern wie Balzer oder Daiwa im Sortiment – verhindern, dass sich die Schnur beim Einholen in den Körper des Aals schneidet, und sind besonders anfängerfreundlich.

Posenangeln auf Aal

Unterschätzt, aber effektiv: Mit einer Steckpose oder Schiebepose lässt sich der Köder präzise über Hindernissen oder an Strukturen führen. Für Nachtsitzungen bietet sich eine Knicklichtpose an – das schwache grüne Licht ist auf dem dunklen Wasser gut zu sehen und verrät jeden Biss sofort. Diese Methode eignet sich gut für flachere Bereiche und Gewässer mit viel Bodenstruktur, wo das Grundangeln oft im Kraut endet.

Die besten Köder für Aal

Aale sind Raubfische und Allesfresser – was ihnen vor die Nase kommt, wird gefressen. In der Praxis haben sich aber einige Köder klar bewährt:

Tauwurm und Mistwurm sind die absoluten Nummer-eins-Köder. Ein großer Tauwurm oder ein Bündel kleinerer Würmer auf dem Haken gibt einen intensiven Eigengeruch ab, der Aale aus weiter Entfernung anlockt. Den Wurm vollständig auf dem Haken verbergen – Aale schlucken den Köder tief.

Fischstücke (Aal, Rotauge, Döbel) funktionieren ebenfalls hervorragend, gerade wenn größere Aale gezielt geangelt werden sollen. Frische Stücke mit intaktem Geruch sind entscheidend.

Regenwurmcocktails – also mehrere kurze Würmer gleichzeitig – erhöhen den Geruchsreiz und vergrößern den Köder, ohne ihn unnatürlich wirken zu lassen.

Auf Kunstköder reagieren Aale selten. Gelegentlich werden beim Spinnfischen auf Zander oder Barsch Aale an kleinen Gummifischen gefangen, aber gezielt locken lassen sie sich damit nicht.

Ausrüstung im Überblick

Wer Aal angeln möchte, braucht keine hochspezialisierte Ausrüstung. Folgendes Grundsetup reicht für den Einstieg vollständig aus:

  • Rute: Karpfen- oder Grundrute, 2,70–3,30 m, Wurfgewicht 60–100 g
  • Rolle: Freilaufrolle mit zuverlässigem Freilaufmechanismus
  • Schnur: Monofil 0,30–0,35 mm, dunkel (grün oder braun)
  • Blei: Laufblei oder Birnenblei, 20–60 g
  • Haken: Langstielhaken Größe 2–1/0, mit breitem Bogen
  • Bissanzeiger: Elektronisch mit Freilaufton, oder Fahnenpeitsche
  • Stirnlampe: Unbedingt – Nachtfischen ohne Licht macht keinen Spaß
  • Aaltöter: Pflicht für jeden, der Aale entnehmen möchte

Der Aaltöter – tierschutzgerecht töten

Wer einen Aal entnehmen und verwerten möchte, steht vor einem Problem: Der Aal ist äußerst widerstandsfähig und schwer zu töten. Einfaches Schlagen auf den Kopf reicht bei diesem Fisch häufig nicht aus – das Nervensystem ist zu robust. Das Thünen-Institut hat in einer wissenschaftlichen Untersuchung verschiedene Methoden auf ihre Tierschutzkonformität geprüft.

Der Aaltöter ist das Mittel der Wahl. Das Gerät – meist ein kompakter Bolzenapparat aus Edelstahl – setzt am Hinterkopf des Aals an und durchtrennt mit einem gezielten Schlag das verlängerte Mark. Der Fisch stirbt sofort, ohne unnötig zu leiden. Für Angler, die Aale regelmäßig mitnehmen, ist der Aaltöter kein optionales Zubehör, sondern eine tierschutzrechtliche Pflicht.

Nach dem Töten den Aal sofort auf Eis legen – das Fleisch ist empfindlich und verdirbt bei Wärme schnell.

Bestandssituation und verantwortungsvolles Angeln

Der Europäische Aal braucht unsere Unterstützung. Die Bestände sind seit den 1970er Jahren um geschätzte 98 Prozent zurückgegangen – ein alarmierender Wert. Der Anglerverband Niedersachsen engagiert sich seit Jahren aktiv beim Aalbesatz und hat Millionen von Jungaalen in niedersächsische Gewässer eingebracht.

Was jeder Angler konkret tun kann:

  • Schonmaße beachten und kleinere Aale konsequent zurücksetzen
  • Schonzeiten einhalten – diese variieren je nach Bundesland
  • Nur so viele Aale mitnehmen wie wirklich benötigt – kein Massenabfischen
  • Beim Rücksetzen sorgfältig vorgehen: Aal kurz in der Hand halten, bis er sich erholt hat, bevor man ihn loslässt

Die Angelverbände setzen sich beim Deutschen Angelfischerverband (DAFV) aktiv dafür ein, dass Angler weiterhin auf Aal fischen dürfen – aber nur unter strengen Auflagen und mit klarem Bekenntnis zum Schutz der Art.


Aalangeln erfordert Geduld, die richtige Montage und ein gutes Gespür für die Gewässer in der Nacht. Wer sich einmal auf dieses Angeln einlässt, wird schnell merken: Es ist mehr als nur eine Methode. Es ist ein eigenes Erlebnis – mit dem Knistern des Bissanzeigers im Dunkel, dem Zug an der Leine und dem Respekt vor einem der ältesten Fische unserer Gewässer.